Die verschiedenen Gangarten der Pferde

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Zu den Grundgangarten eines Pferdes gehören Schritt, Trab und Galopp. Manche Rassen haben noch zusätzliche Gangarten, den Tölt und Pass. Jede Gangart hat eine bestimmte und charakteristische Abfolge der Bewegungen der Gliedmaßen.

 

Pferde bevorzugen den Schritt und den Galopp, da der Trab anstrengender ist. Dieser ist im Straßenverkehr jedoch die schnellste zulässige Gangart, da der Galopp hier zu gefährlich wäre und der Asphalt auch zu hart für die Gelenke des Pferdes. Ob ein Pferd gut läuft, kann man am besten durchs Hören feststellen. Ein gesundes Pferd läuft einen exakten Takt. Lahmt ein Pferd, so kann man dies auf hartem Boden hören. Die meisten Pferderassen haben nur die drei Grundgangarten. Dies ist auf Züchtung zurückzuführen, um leichter reitbare Pferde zu erhalten, denn jede Gangart erfordert einen anderen Bewegungsablauf des Reiters, der erlernt werden muss.

 

Im Folgenden werden nun die einzelnen Gangarten näher beschrieben:

  1. Schritt
  2. Trab
  3. Galopp
  4. Tölt
  5. Pass


 

Schritt

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Der Schritt ist eine ruhige Viertaktgangart ohne Schwebephase, bei der das Pferd die Hufe „diagonal-lateral“also z. B. in der Reihenfolge links vorne – rechts hinten – rechts vorne – links hinten setzt, wobei die Bewegungen sich ein wenig „überlappen“. Als fehlerhaft gilt ein passartiger Gang (in der deutschen bzw. klassischen Reitlehre – es gibt freilich Pferderassen von Passgängern, etwa beim Isländer den Rennpass). Man unterscheidet Mittelschritt, versammelten und starken Schritt.

Die beiden letzteren werden erst nach der Grundausbildung des Pferdes verlangt. Beim starken Schritt mit mehr Raumgriff tritt der Hinterhuf deutlich über den Abdruck des Vorderhufs hinaus, man spricht auch von Rahmenerweiterung, bei der die Schrittfrequenz nicht eiliger, aber die Schritte ausgreifender und die Nickbewegung des Pferdekopfs deutlicher werden. Beim versammelten Schritt soll das Pferd vermehrt Last mit der Hinterhand aufnehmen und dadurch kürzere und erhabenere Schritte zeigen, sich also versammeln. Es reicht nicht, wenn lediglich der Schritt verlangsamt und verkürzt wird (Pass-Gefahr; siehe auch weiter unten: Pass). Starker und versammelter Schritt werden erst in fortgeschrittenen und höheren Dressuraufgaben verlangt. Der Schritt ist die Gangart, bei der am wenigsten durch Ausbildung und Training verbessert werden kann.

 

 

Takt

Der Schritt ist die langsamste Gangart des Pferdes. Er ist eine schreitende Vorwärtsbewegung im Viertakt ohne Schwebephase. Das heißt, dass das Pferd immer 2, höchstens aber 3 Beine gleichzeitig auf dem Boden hat.

 

Schrittabfolge

Steht das Pferd im Gleichgewicht, so läuft es beim Schritt normalerweise mit einem Hinterbein an. Zum Beispiel fängt das rechte Hinterbein an, dann folgt das rechte Vorderbein, dann das linke Hinterbein, dann das linke Vorderbein. Und nun das Ganze wieder von vorne. Man hört somit 4 Hufschläge im gleichen Abstand (Viertakt). Mit jedem Bein muss das Pferd gleich weit nach vorne treten, sodass es mit dem Hinterhuf in die Spur des jeweiligen Vorderhufes tritt.

 

Schrittarten

Man unterscheidet 4 Schrittarten: versammelter Schritt, Arbeitsschritt, Mittelschritt und starker Schritt.

Beim versammelten Schritt soll das Pferd kürzere und somit erhabenere Schritte machen. Das Pferd setzt sich vermehrt auf die Hinterhand und ist stärker aufgerichtet. Unter dem Arbeitsschritt versteht man den normalen Schritt des Pferdes in einem klaren Viertakt. Beim Mittelschritt soll das Pferd mit den Hinterhufen etwas über der Spur der Vorderhufe auftreten. Im starken Schritt sollen die Hinterhufe deutlich weiter über der Spur der Vorderhufe auftreten als im Mittelschritt. Man spricht dabei auch von einer Rahmenerweiterung, die durch ein verlängertes Zügelmaß ermöglicht wird. Das Pferd läuft dabei nicht eiliger, sondern erhabener.

 


 Trab

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Der Trab ist eine schnelle Zweitaktgangart, bei der jeweils das diagonale Beinpaar gemeinsam vorgeschwungen wird. Zwischen den beiden Bodenberührungen gibt es dabei eine kurze Schwebephase. Die Einhaltung der Gangart ist wichtig im Trabrennen; bei Nicht-Einhaltung erfolgt Disqualifikation. Man unterscheidet beim Dressurreiten versammelten Trab, Arbeitstrab, Mitteltrab und starken Trab. Übungen aus der hohen Schule sind ein Trab nahezu auf der Stelle, als Piaffe bezeichnet, und ein Trab mit einer verlängerten Schwebephase und akzentuierter gehobenen Beinen als Passage.

 

 

Takt

Der Trab ist eine mittelschnelle Gangart. Im Trab kann das Pferd große Distanzen zurücklegen. Zum Traben verlagert das Pferd sein Gewicht und ändert den Takt. Der Trab ist ein Zweitakt mit einer kurzen Schwebephase.

 

Schrittabfolge

Das Pferd tritt jeweils abwechselnd mit einem diagonalen Beinpaar auf, z.B. mit dem rechten Hinterbein und dem linken Vorderbein. Zwischen den einzelnen Takten schwebt das Pferd, das heißt es verliert den Bodenkontakt. Den Kopf trägt das Pferd höher und ruhiger als beim Schritt.

 

Trabarten

Man unterscheidet 4 Trabarten: versammelter Trab, Arbeitstrab, Mitteltrab und starker Trab:
•    Beim versammelten Trab verkürzen sich die Schritte des Pferdes. Es wird das verstärkte Untertreten der Hinterhand unter den Schwerpunkt verlangt. Die Hinterhufe sollen mindestens in die Spur der Vorderhufe treten.
•    Unter dem Arbeitstrab versteht man den normalen Trab des Pferdes. Die Hinterhufe sollen in die Spur der Vorderhufe treten und der Trab sollte fleißig sein.
•    Im Mitteltrab soll das Pferd mit den Hinterhufen etwas über der Spur der Vorderhufe auftreten. Es soll seinen Rahmen erweitern und erhabener laufen.
•    Beim starken Trab treten die Hinterhufe deutlich über der Spur der Vorderhufe auf. Das Pferd soll größtmöglichen Schwung, Raumgriff und Schub aufbringen, ohne dabei schneller zu werden.

 

 


 

Galopp

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Die schnellste Gangart ist der Galopp. Das Pferd setzt nacheinander mit einem Vorderbein, einem diagonalen Beinpaar und einem Hinterbein auf. Der Galopp ist eine weiche Gangart, die in 3 Takten verläuft. Der Galopp ist eine gesprungene Gangart. Der Galopp kann als eine Abfolge von Sprüngen aufgefasst werden. Diese lange nicht gesicherte Erkenntnis wurde, durch eine Wette animiert, erstmals 1878 durch den Fotografen Eadweard Muybridge mit dem Zoopraxiskop fotografisch festgehalten. Bei der von ihm entwickelten Aufnahmetechnik löste ein galoppierendes Pferd durch Reißleinen kurz hintereinander versetzte Kameras aus, die die verschiedenen Phasen des Galopps als Einzelbilder festhalten konnten.

Nach neuesten Messungen ist der Galopp eigentlich eine Viertaktgangart, da rechts hinten und links vorne in der Bewegungsfolge nicht exakt gleichzeitig gesetzt werden. Je schneller der Galopp geritten wird, umso größer ist der zeitliche Unterschied zwischen links hinten und rechts vorne. Der Unterschied ist allerdings so gering, dass er für den Reiter unbedeutend ist. Es gibt jedoch zwei Fälle, in denen der Viertakt deutlich sichtbar wird: Beim sehr schnellen Renngalopp sowie beim extrem langsamen Galopp. Letzterer ist je nach Reitweise erwünscht oder verpönt.

Eine besondere Variante des Galopps ist der Rückwärtsgalopp, bei dem das Pferd die gleiche Bewegungsabfolge ausführt, jedoch die Beine nach hinten setzt. Er kann nur andressiert werden. Auch der Galoppwechsel a tempo kann als eine Abwandlung des Normalgalopps angesehen werden. Hierbei wechselt das Pferd bei jedem Galoppsprung die Galoppart vom Links- zum Rechtsgalopp und zurück. Als Karriere oder Carrière wird ein spezieller Galoppsprung bezeichnet: Dabei stößt sich das Pferd mit beiden Hinterbeinen gleichzeitig ab und springt nach vorne. Das ist beispielsweise bei Rennpferden beim Start zu beobachten oder bei Kutschpferden, die aus dem Stand angaloppieren und eine schwere Last zu ziehen haben.

 

 

Schrittabfolge

Das Pferd schwingt beim Galoppieren jeweils ein diagonales Beinpaar nach vorne und zwar eines etwas mehr als das andere. Hierdurch unterscheidet man dann auch den Links- und Rechtsgalopp. Die meisten Pferde springen von sich aus im Linksgalopp an.

 

Linksgalopp

Für den Linksgalopp wäre die Bewegungsfolge rechts hinten – links hinten und rechts vorne – links vorne, dann folgt die Schwebephase. Um den Galopp zu wechseln, reitet man einen einfachen bzw. fliegenden Galoppwechsel.

 

Kreuzgalopp

  • Ist die Abfolge fehlerhaft, so spricht man vom Kreuzgalopp.
  • Das bedeutet, dass das Pferd mit den Vorderbeinen im Linksgalopp und mit den Hinterbeinen im Rechtsgalopp, oder umgekehrt, ist.
  • Dieser Galopp kommt häufig bei jungen Pferden vor, die ihr Gleichgewicht noch nicht gefunden haben.
  • Für den Reiter ist dieser Galopp unbequem.
  • Er muss das Pferd durchparieren und von neuem angaloppieren.

 

Innen- und Außengalopp

Beim Galoppieren in der Reitbahn greift meist das innere (das der Bahnmitte zugewandte) Beinpaar weiter vor. Diesen Galopp nennt man Innengalopp.
Greift das äußere Beinpaar vor, so spricht man vom Außengalopp.

 

Galopparten

Man unterscheidet 4 Galopparten: versammelter Galopp, Arbeitsgalopp, Mittelgalopp und starker Galopp.

•    Beim versammelten Galopp wird der Galoppsprung verkürzt. Das Pferd soll mit seiner Hinterhand deutlich unter den eigenen Schwerpunkt springen, jedoch keinen Elan verlieren.
•    Unter dem Arbeitsgalopp versteht man den normalen Galopp des Pferdes. Dieser sollte in einem sauberen Dreitakt erfolgen.
•    Im Mittelgalopp sind die Galoppsprünge länger und größer. Es erfolgt eine Rahmenerweiterung und Dehnung im Pferd. Die Galoppsprünge sollten jedoch nicht schneller werden.
•    Beim starken Galopp erfolgt eine noch stärkere Rahmenerweiterung als im Mittelgalopp.

 


Tölt

 

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Der Tölt ist eine vererbbareSpezialgangart, die für den Reiter besonders angenehm ist. Im Gegensatz zu Trab und Galopp hat Tölt keine Schwebephase, sondern ist eine gelaufene Gangart. Der Reiter sitzt fast erschütterungslos auf einem locker schwingenden Rücken. Tölt hat, abhängig von der Ganglage und Ausbildung des Pferdes, eine hohe Tempovarianz zwischen Schritt- und Galopptempo.

Die Fußfolge ist im Tölt dieselbe wie im Schritt: hinten links, vorne links, hinten rechts, vorne rechts.

Der Tölt und der Schritt sind Gangarten im Viertakt mit acht Phasen. Anders als beim Schritt wechseln sich im Tölt jedoch Ein- und Zweibeinstützen ab. Die Phasenfolge des Tölts ist daher, beginnend in einer diagonalen Zweibeinstützphase hinten rechts und vorne links:

  1. links vorne fußt ab – Einbeinstütze hinten rechts
  2. rechts vorne fußt auf – laterale Zweibeinstütze
  3. rechts hinten fußt ab – Einbeinstütze vorne rechts
  4. links hinten fußt auf – diagonale Zweibeinstütze
  5. rechts vorne fußt ab – Einbeinstütze hinten links
  6. links vorne fußt auf – laterale Zweibeinstütze
  7. links hinten fußt ab – Einbeinstütze vorne links
  8. rechts hinten fußt auf – diagonale Zweibeinstütze

 

 

Wer kann tölten?

Tölt ist eine Spezialgangart, die nicht jedes Pferd beherrscht. Es gibt Pferde, die eine genetische Veranlagung zum Tölten haben. Hierzu zählt zum Beispiel der Isländer. Man kann diese Gangart aber auch anderen Pferden beibringen.

 

Ursprung

Man geht davon aus, dass ursprünglich alle Pferde eine Veranlagung zum Tölten hatten. In der Zeit, wo Kutschen populär wurden, wurde das Reiten unmodern. Man brauchte somit Pferde, die gut vor der Kutsche liefen und eine gute Leistung erbrachten. Der Trab eignete sich hierzu am besten, daher stellte man die Zucht auf Traber um. Erst nach dem zweiten Weltkrieg wurde der Tölt mit der Verbreitung der Isländer wiederentdeckt.

 

Takt und Fußfolge

Der Tölt ist ein Viertakt in acht Phasen. Die Fußfolge entspricht der des Schritts. Der Unterschied ist jedoch, dass sich hier die Ein- und Zweibeinstützen abwechseln, das heißt, dass abwechselnd ein oder zwei Beine das Pferd tragen. Beim Schritt waren es immer zwei oder drei. Es gibt keine Schwebephase im Tölt, der Bodenkontakt bleibt somit immer erhalten. Tölt ist eine gelaufene Gangart. Ob ein Pferd ordentlich läuft, kann man am besten auf einer asphaltierten Straße hören.

 

Tölten

Tölt ist für den Reiter eine sehr angenehme Gangart und besonders für Menschen mit Rückenproblemen geeignet.
Das Pferd läuft beim Tölten weich und der Reiter kann ruhig im Sattel sitzen bleiben, ohne hin und her gerüttelt zu werden.

 

Tempo

Die Geschwindigkeit kann zwischen Schritt- und Galopptempo variieren.

 

Haltung

Beim Tölten sollte das Pferd die Knie möglichst hoch heben und den Kopf aufrecht halten, wichtig ist auch eine gut untertretende Hinterhand.


 

Pass

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Beim Passgang handelt es sich um eine laterale Gangart im Zweitakt in zwei Phasen, bei der die gleichseitigen Beinpaare abwechselnd auffußen. Das Pferd fällt dabei von einer Lateralen auf die andere. Ruhiger Passgang kann als Ganglage bei Gangpferdearten auftreten. Diese Form des Passes kann jedoch auch bei dreigängigen Pferden auftreten, wenn ein Pferd stark verritten und aus dem Gleichgewicht gebracht wird. Pass ist in dieser Form bei jedem Pferd absolut unerwünscht. Wird ein Pferd im Pass geritten, wird es immer steifer, da es sich in dieser Gangart kaum biegen kann. Dies führt langfristig zu schweren Verspannungen und Schäden.

Takt

Der Pass ist eine laterale Gangart im Zweitakt in zwei Phasen. Die Beinpaare einer Seite fußen abwechselnd auf. Im Pass gibt es keine Taktfehler.

 

Schrittfolge

Dazwischen entsteht eine Schwebephase. Der Pass erfordert vom Pferd viel Kraft und Energie und wird daher nur über kurze Strecken geritten.

 

Geschwindigkeit

Pass wird grundsätzlich nur im Renntempo geritten. Hier kann das Pferd eine Geschwindigkeit von bis zu 45 km/h erreicht werden.

 

Schweinepass

Nicht viele Pferde können korrekt im Pass gehen. Ruhiger Pass kann auch bei Dreigängigen Pferden auftreten, wenn sie aus dem Gleichgewicht geraten.
Dieser Pass ist sehr unerwünscht, da das Pferd dadurch versteift und verspannt. Er wird auch als Schweinepass bezeichnet.

 

 

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