Pferdegangarten kurz erklärt

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Pferdegangarten kurz erklärt

Grundsätzlich unterscheidet man zwischen drei Pferdegangarten des Pferdes: Schritt, Trab und Galopp.
Es gibt jedoch noch vier weitere Gangarten, die nur bei bestimmten Pferderassen oder bei einem bestimmtem Ausbildungsstand vorkommen: Slow Gait, Tölt, Pass und Foxtrott. Der Schritt ist ein sogenannter Viertaktgang, bei dem das Pferd seine Hufe meist leicht überlappend (diagonal-lateral) aufsetzt. Die Reihenfolge ist links vorne – rechts hinten – rechts vorne – links hinten. Der Trab ist ein Zweitaktgang und liegt tempomäßig zwischen Schritt und Galopp. Bei dieser Gangart werden die parallelen Vorder- und Hinterbeine diagonal nach vorne geschwungen mit einer anschliessenden Schwebephase.

 

Beim Westernreiten gibt es die Trabform Jog. Diese Trabart zeichnet sich durch kurze Schritte, niedriges Tempo und fehlende Schwebephase aus. Der Galopp ist eine Dreitaktgangart mit hohem Tempo. Die Schrittfolge beim Rechtsgalopp verläuft folgendermaßen: links hinten – rechts hinten mit links vorne – rechts vorne – anschliessend erfolgt eine lange Schwebephase. Beim Linksgalopp erfolgt die Reihenfolge spiegelbildlich. Bei allen drei Gangarten gibt es innerhalb der Gänge Abstufungen im Tempo.

Der Slow Gait ist ein Schritt mit kurzer Unterbrechung in der Bewegung und findet sich häufig bei Dressurpferden. Der Pass und der Tölt sind typische Gangarten für Islandpferde. Der Foxtrott ist eine schnelle Gangart, die für Tennessee Walking Horses rassetypisch ist.

Die meisten Pferderassen haben nur die drei Grundgangarten. Dies ist auf Züchtung zurückzuführen, um leichter reitbare Pferde zu erhalten, denn jede Gangart erfordert einen anderen Bewegungsablauf des Reiters, der erlernt werden muss.

Schritt

Der Schritt ist eine ruhige Viertaktgangart ohne Schwebephase, bei der das Pferd die Hufe „diagonal-lateral also z. B. in der Reihenfolge links vorne – rechts hinten – rechts vorne – links hinten setzt, wobei die Bewegungen sich ein wenig „überlappen“. Als fehlerhaft gilt ein passartiger Gang (in der deutschen bzw. klassischen Reitlehre – es gibt freilich Pferderassen von Passgängern, etwa beim Isländer den Rennpass). Man unterscheidet Mittelschritt, versammelten und starken Schritt. Die beiden letzteren werden erst nach der Grundausbildung des Pferdes verlangt. Beim starken Schritt mit mehr Raumgriff tritt der Hinterhuf deutlich über den Abdruck des Vorderhufs hinaus, man spricht auch von Rahmenerweiterung, bei der die Schrittfrequenz nicht eiliger, aber die Schritte ausgreifender und die Nickbewegung des Pferdekopfs deutlicher werden. Beim versammelten Schritt soll das Pferd vermehrt Last mit der Hinterhand aufnehmen und dadurch kürzere und erhabenere Schritte zeigen, sich also versammeln. Es reicht nicht, wenn lediglich der Schritt verlangsamt und verkürzt wird (Pass-Gefahr; siehe auch weiter unten). Starker und versammelter Schritt werden erst in fortgeschrittenen und höheren Dressuraufgaben verlangt. Der Schritt ist die Gangart, bei der am wenigsten durch Ausbildung und Training verbessert werden kann.

Ist schon die „Schrittarbeit […] überhaupt das Schwerste in der Reiterei“so gilt das insbesondere für den versammelten Schritt: „Die Versammlung im Schritt herbeizuführen, ist zweifellos eine der allerschwierigsten Aufgaben für den Reiter.“Wenn der Reiter durch eine übertriebene Hilfengebung des Pferdes, wie z. B. zu starke Einwirkung mit den Zügeln, das Tier in seinem natürlichen Bewegungsablauf stört und es sich dadurch verspannt, kann es sein, dass aus Schritt Pass wird oder dass andere Taktfehler, Fehler im Raumgriff und in der Losgelassenheit des Pferdes auftreten.

Zu Beginn jeder Trainingseinheit wird empfohlen, das Pferd „10 bis 15 Minuten im Schritt am langen Zügel gehen“ zu lassen, was zur Entspannung und zum Erwärmen der Muskeln und Gelenke dient. Auch während des Trainings dienen Schrittpausen am langen oder hingegebenen Zügel zwischen den Trab- und Galoppreprisen der „psychischen und physischen Entspannung“ des Pferdes.

Eine Variation ist der Spanische Schritt.

Trab

Der Trab ist eine schnelle Zweitaktgangart, bei der jeweils das diagonale Beinpaar gemeinsam vorgeschwungen wird. Zwischen den beiden Bodenberührungen gibt es dabei eine kurze Schwebephase. Die Einhaltung der Gangart ist wichtig im Trabrennen; bei Nicht-Einhaltung erfolgt Disqualifikation.

Man unterscheidet beim Dressurreiten versammelten Trab, Arbeitstrab, Mitteltrab und starken Trab. Übungen aus der hohen Schule sind ein Trab nahezu auf der Stelle, als Piaffe bezeichnet, und ein Trab mit einer verlängerten Schwebephase und akzentuierter gehobenen Beinen als Passage.

Galopp

Der Galopp ist eine schnelle Dreitaktgangart, für den Rechtsgalopp ist die Bewegungsfolge links hinten – rechts hinten mit links vorne – rechts vorne, dann ausgeprägte Schwebephase. Er kann auch spiegelbildlich als Linksgalopp geritten werden.

Der Galopp kann als eine Abfolge von Sprüngen aufgefasst werden. Diese lange nicht gesicherte Erkenntnis wurde, durch eine Wette animiert, erstmals 1878 durch den Fotografen Eadweard Muybridge mit dem Zoopraxiskop fotografisch festgehalten. Bei der von ihm entwickelten Aufnahmetechnik löste ein galoppierendes Pferd durch Reißleinen kurz hintereinander versetzte Kameras aus, die die verschiedenen Phasen des Galopps als Einzelbilder festhalten konnten.

Nach neuesten Messungen ist der Galopp eigentlich eine Viertaktgangart, da rechts hinten und links vorne in der Bewegungsfolge nicht exakt gleichzeitig gesetzt werden. Je schneller der Galopp geritten wird, umso größer ist der zeitliche Unterschied zwischen links hinten und rechts vorne. Der Unterschied ist allerdings so gering, dass er für den Reiter unbedeutend ist. Es gibt jedoch zwei Fälle, in denen der Viertakt deutlich sichtbar wird: Beim sehr schnellen Renngalopp sowie beim extrem langsamen Galopp. Letzterer ist je nach Reitweise erwünscht oder verpönt.

Eine besondere Variante des Galopps ist der Rückwärtsgalopp, bei dem das Pferd die gleiche Bewegungsabfolge ausführt, jedoch die Beine nach hinten setzt. Er kann nur andressiert werden. Auch der Galoppwechsel a tempo kann als eine Abwandlung des Normalgalopps angesehen werden. Hierbei wechselt das Pferd bei jedem Galoppsprung die Galoppart vom Links- zum Rechtsgalopp und zurück. Als Karriere oder Carrière wird ein spezieller Galoppsprung bezeichnet: Dabei stößt sich das Pferd mit beiden Hinterbeinen gleichzeitig ab und springt nach vorne. Das ist beispielsweise bei Rennpferden beim Start zu beobachten oder bei Kutschpferden, die aus dem Stand angaloppieren und eine schwere Last zu ziehen haben.

Tempi in der Dressur

In der Dressur werden folgende Tempi unterschieden:

Schritt

Versammelter Schritt
Der Hinterfuß fußt – je nach Grad der Versammlung – in die Spur des Vorderhufs bis etwa eine Huflänge dahinter.
Mittelschritt
Der Hinterfuß fußt etwa eine Huflänge über die Spur des Vorderhufs hinaus.
Starker Schritt
Der Hinterfuß fußt möglichst weit über die Spur des Vorderhufs hinaus.
Trab
Arbeitstrab
Der Hinterhuf fußt in die Spur des Vorderhufs.
Versammelter Trab
Der Hinterfuß fußt etwa eine Huflänge hinter der Spur des Vorderhufs. Bei stärkerer Versammlung gibt es keine Schwebephase.
Mitteltrab
Der Hinterfuß fußt mindestens eine Huflänge über die Spur des Vorderhufs hinaus.
Starker Trab
Der Hinterfuß fußt möglichst weit über die Spur des Vorderhufs hinaus.
Tritte verlängern
Galopp
Arbeitsgalopp
Der Hinterfuß fußt etwa eine Huflänge über die Spur des Vorderhufs hinaus.
Versammelter Galopp
Der Hinterfuß fußt – je nach Grad der Versammlung – in die Spur des Vorderhufs bis etwa eine Huflänge dahinter.
Mittelgalopp
Der Hinterfuß fußt deutlich über die Spur des Vorderhufs hinaus.
Starker Galopp
Der Hinterfuß fußt möglichst weit über die Spur des Vorderhufs hinaus.
Galoppsprünge verlängern

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