Natürliche Nahrungsergänzung – mit Kräutern und Co. dem Pferd Gutes tun

Ganzheitliche Ansätze liegen im Trend, auch was Gesundheit und Ernährung betrifft. Das gilt für den Menschen und seine moderne Lebenseinstellung genauso wie für die Tierhaltung.

Superfoods und Smoothies sind Mainstream in der Ernährung von heute und füllen die Supermarktregale. Aber auch Konzepte mit Tradition wie Ayurveda und TCM nehmen Einfluss auf Ernährungsgewohnheiten. Es fällt schon schwer, den Überblick über die für die menschliche Ernährung angebotenen Zusatzprodukte und Ratschläge zu behalten. Auch mit Hinblick auf Tierfutter ist das nicht leicht. Das gilt auch fürs Pferd. Welche der in Hülle und Fülle beworbenen Produkte und Empfehlungen bringen wirklich etwas? Muss man, wenn man seinem Pferd eine ausgewogen und artgerechte Basisernährung ermöglicht, überhaupt zufüttern?

Das gesunde Plus

Raufutter, Saftfutter, Kraftfutter: Eine individuell passende Nährstoffversorgung ist das A und O für die Gesunderhaltung der Tiere. Der empfohlene Kraftfutteranteil ist stark leistungsabhängig. Manche Ernährungsgrundlagen sollten bei allen Pferden berücksichtigt werden – egal ob Freizeitpferd oder Hochleistungssportler. Ein hoher Anteil an Raufutter, wie frischem Heu ist artspezifisches unabdingbar und ist unabhängig von Rasse und Einsatz die natürliche Nahrungsquelle Nr. 1. Abgesehen vielleicht vom Weidegang, doch selbst bei Weidehaltung sollte man gewöhnlich Heu (oder auch Stroh) zufüttern. Zwar liefert Weidegras mehr Energie und praecaecal verdauliches Protein doch mit dem Heu erhält das Tier mehr Rohfaser.

Außerdem nehmen nicht nur Weidegrasperioden Einfluss auf den Nährstoffgehalt, ausgelaugte Böden oder Übersäuerung sind ebenfalls ein Thema. Deshalb sollte man nicht davon ausgehen, dass mit dem Rupfen des Grüns alles, was das Pferd braucht, auch in seinen Magen gelangt. Die wenigsten Weiden bieten heute das, was die Natur einmal für die Tiere vorgesehen hatte. Insbesondere frische Kräuter sind nur noch selten auf den umzäunten Flächen zu finden. Trotzdem muss vor dem Anweiden das Gelände auf eventuell vorhandene Giftpflanzen kontrolliert werden, das ist jedem Pferdehalter klar.

Sucht man nach einer artgerechten Nahrungsergänzung, bieten sich gesunde und wohltuende Kräuter an. Diese dazu zufüttern kann in vielen Fällen positive Auswirkungen auf die Gesundheit haben – auch getrocknete Pflanzen und fertige Mischungen sind beliebt. Häufig finden auf das Pferd abgestimmte Kräutermischung als Kur-Anwendung. Zwischen 4 und 12 Wochen lang werden die Kräuter dabei gefüttert, meist um einen ganz bestimmten Effekt zu erzielen: etwa spezielle Mischungen schleimlösender Kräuter zur unterstützenden Behandlung von Husten. Auch wenn man vorgefertigte Präparate kauft, sollte man sich ein wenig Basiswissen aneignen, um das richtige Produkt wählen zu können. Manche Kombinationen eignen sich zur dauerhaften Gabe, verbessern so langwierig die Nährstoffzufuhr und beugen gesundheitliche Probleme vor.

Leckerli oder Arznei

Zumindest einen Salzleckstein stellt wohl jeder Halter seinem Pferd zur Verfügung. Während die Sicherstellung der Aufnahme von Spurenelementen, Mineralien und Vitaminen auch durch Kraftfuttermischungen erzielt werden kann, handelt es sich bei der Gabe von bestimmten Pflanzen oft nicht nur um die Vermeidung von Mängeln. Nur ein optimal ernährtes Tier kann Höchstleistung bringen. Wenn man Turnierpferden Kräuter füttert, muss man aber vorsichtig sein: Bestimmte pflanzliche Mittel werden von der FN klar nach den Dopingrichtlinien als unerlaubte Arzneimittel gehandelt.

Vor allem für Halter von Sportpferden kann das aus Unwissenheit versehentliche Zuführen verbotener Substanzen verheerende Auswirkungen haben, und neben einem Ausschluss an der Teilnahme eines Turniers auch zu Reputationsschäden führen. Startgelder gehen verloren und Quoten werden kurzfristig durcheinandergebracht, wenn neue sichere Wettanbieter wegen plötzlich ausfallenden Favoriten die Siegeschancen neu kalkulieren müssen. Die Gewährleistung von fairen Wettkampfbedingungen wird sehr ernst genommen.

Sportpferde werden nach einem detailliert durchdachten Ernährungsplan gefüttert, auf dem bei aller Wertschätzung der Wirkungskraft der Natur gewisse Kräuter gar nicht erscheinen dürfen oder aber eine bestimmte Zeit vor dem Wettkampf gestrichen werden müssen. Spätestens zwei Tage vor dem Turnier abgesetzt werden müssen zum Beispiel Arnika, Eukalyptus und Ingwer.

Eine Liste und genaue Richtwerte lassen sich bei der FN erfragen.

Es lohnt sich genaue Informationen einzuholen, denn außerhalb der Wettkampfphase tut es auch Sportpferden gut, in den Genuss der heilsamen Gewächse zu kommen. Sie sind mehr als nur eine meist willkommene und häufig schmackhafte Abwechslung. Als Heilmittel sind viele natürliche Arzneien äußerst effektiv. Dazu gehören unter anderem:

• Angelikawurzel: kann die Verdauung und die Wundheilung des Pferdes unterstützen

• Brennessel: unter anderem bei Harnwegserkrankungen wie Entzündungen und Steinbildungen

• Echinacea: entzündungshemmende, immunstärkende und entzündungslindernde Wirkung

• Goldrute: wirkt blutreinigend, entzündungshemmend und harntreibend

• Kümmel: unterstützt die Verdauung und kann bei Blähungen und Koliken helfen

• Schafgarbe: vertreibt Fliegen, hilft bei Rehe und Hufrollenentzündung und findet bei

Blasenentzündung und Rheuma Anwendung

Teufelskralle: hilft bei Arthrose, Gelenk- und  Sehnenbeschwerden, Verdauungsproblemen

• und viele mehr

Die Liste der medizinisch wirksamen Pflanzen ist lang. Den Tierarzt können Kräuter trotzdem nicht ersetzen und man sollte die unterstützende Behandlung durch pflanzliche Mittel mit ihm absprechen. In manchen Fällen lässt sich auch bei chronischen Erkrankungen die Medikamenteneinnahme durch die Anwendung der Naturheilmittel reduzieren oder sogar ersetzen.

Fazit

Gegen viele Beschwerden ist tatsächlich ein Kraut gewachsen. Bei gezieltem Einsatz kann das Füttern von Kräutern stärken und das Allgemeinbefinden verbessern. Der Verdauungstrakt des Pferdes kann diese Art der Nahrungsergänzung oder Naturarznei optimal verwerten. Daher sind Pferdekräuter mehr als nur eine Modeerscheinung und eine auf den individuellen Bedarf ausgerichtete Fütterung kann durchaus sinnvoll sein. Bei der großen Vielfalt angebotener Kräutermischungen ist es empfehlenswert, sich mit der Wirkungsweise der einzelnen Bestandteile im Detail vertraut zu machen und sich nicht nur auf die von einzelnen Herstellern versprochenen Effekte des Gesamtpaketes zu verlassen.

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